Das sind die auffälligsten Spieler der Liga – Rang 40 bis 31
Wer sind die Besten? Diese Frage ist nie zu beantworten. Auch nicht durch die Statistik. Diese Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar unumstössliche Wahrheit. Sie ist vielmehr eine Einladung zur Diskussion, zum Widerspruch. Denn genau davon lebt ja das Eishockey als wichtiger Teil unserer Unterhaltungs- und Erregungs-Industrie: von Emotionen, Meinungen, Polemik – und von Spielern, die mehr sind als blosse Namen in den Statistiken.
Diese Saison sind bisher 404 Feldspieler und 31 Torhüter eingesetzt worden. Aufmerksamkeit ist da eine knappe Ressource. Jede Partie, jede Linie, jede Rolle bringt neue Geschichten hervor – grosse und kleine, laute und leise. Aus dieser Fülle eine Top-50-Liste zu erstellen, bedeutet deshalb nicht, die objektiv «besten» Spieler zu küren, sondern ein paar hervorzuheben, die auffallen, überraschen, prägen oder alle Erwartungen übertroffen und ein Maximum aus ihren Möglichkeiten gemacht haben. Und Spuren und Erinnerungen hinterlassen.
40 Dario Meyer 🇨🇭
Stürmer (29), Kloten
Ein Glücksfall für Kloten: Mit 29 Jahren ist er drauf und dran, seinen bisherigen Saisonrekord (24 Punkte) zu übertreffen. Nach fast zehn Jahren Pech, Irrungen und Wirrungen ist er in Kloten doch noch am Ort seiner Bestimmung angekommen. Seit seiner Rückkehr aus dem nordamerikanischen Juniorenhockey (2016) ist der ehemalige SCB-Junior immer wieder durch Blessuren gebremst worden. Er landet schliesslich im Laufe der Saison 2020/21 nach über 300 Spielen für den SCB, Davos und Zug in Kloten in der zweithöchsten Liga. Was erst ein Karriereknick scheint, erweist sich als «Königsweg» zum Glück in der höchsten Liga. Er gehört bei Klotens Wiederaufstieg zu den wichtigsten Spielern und nun bewährt er sich auch in der höchsten Liga als Leitwolf auf und neben dem Eis.
39 Attilio Biasca 🇨🇭
Stürmer (22), Fribourg
Zug hat ihn ausgebildet und sein Talent nicht erkannt. Vielleicht, weil er kein Schillerfalter ist. Seine spielerische DNA ist einfach gestrickt: geradlinig und effizient. Mit Wucht und Wasserverdrängung schafft er Raum für Torchancen für sich oder seine Mitstreiter und manchmal scheint es, als versuche er, durch seine Gegenspieler hindurchzufahren. Was Zugs Sportchef Reto Kläy nicht sieht, erkennt Gottérons Sportdirektor Gerd Zenhäusern, und er hat den talentierten Powerstürmer gleich bis 2028 verpflichtet. Attilio Biasca ist nun bei Gottéron nicht nur auf Kurs zu einer Rekordsaison mit mehr als 20 Punkten und weist die besten Plus/Minus-Werte des Teams auf. Er bringt durch seine Professionalität (Vollgas in jedem Training und jedem Spiel) Dynamik in die Mannschaft und wird in zwei bis drei Jahren ein Führungsspieler sein. Die Frage ist nicht, ob er ins WM-Team berufen wird. Die Frage ist nur, wann.
38 Mika Henauer 🇨🇭
Verteidiger (25), Rapperswil-Jona
Manchmal braucht es viel Geduld. Auch nach 193 Partien in der höchsten Liga (52 Punkte) ist im Herbst 2025 noch nicht klar, wohin ihn seine Karriere führen wird. Ob ins Niemandsland zwischen Swiss League und National League oder bis in Sichtweite der Nationalmannschaft. Das Talent des hochdekorierten Juniors steht zwar nicht zur Debatte. Aber mehrere Verletzungen (Schulter) haben dazu geführt, dass er sein Talent nie entfaltet hat, und er ist nach Transfers von Bern nach Kloten im Herbst 2024 schliesslich bei den Lakers gelandet. Dort kann er die Erwartungen auch nicht erfüllen und im Herbst 2025 lässt er sich leihweise nach Basel transferieren, um mehr Spielpraxis zu bekommen. Dann geraten die Lakers in Verteidigernot, Mika Henauer kehrt zurück, schultert über 20 Minuten Eiszeit und zeigt endlich seine Qualitäten als Verteidigungsminister. Vom gescheiterten Talent zum wichtigsten Schweizer Verteidiger in ein paar Tagen – und nun Pech für die Lakers: Mika Henauer hat bereits vorzeitig für zwei Jahre bei Servette unterschrieben.
37 Kevin Pasche 🇨🇭
Torhüter (22), Lausanne
Lausannes smarter Sportdirektor John Fust, den viele zu Recht für den meistunterschätzten der Liga halten, ging im Sommer 2024 ein maximales Risiko ein: Final-Held Connor Hughes wechselte nach Nordamerika in die Organisation der Montréal Canadiens (die ihn im Farmteam versenkten) und überliess die Torhüterposition dem erst 20-jährigen Kevin Pasche. Die Art und Weise, wie dieser seine Mannschaft in 42 Einsätzen zum Qualifikationssieg und dann bis in den Playoff-Final getragen hat, ist ganz einfach grandios. Aber noch viel eindrücklicher: Nach nur einem Jahr ist Connor Hughes mit Vertrag bis 2031 zurückgekehrt – und Kevin Pasche kommt auch mit dieser Konkurrenz-Situation klar. Wenn sein Vertrag 2027 ausläuft, kann er mit der Gunst der Hockey-Götter der bestbezahlte Schweizer Torhüter der Geschichte werden – wenn nicht in Lausanne, dann in Bern, Zürich oder Zug.
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36 Austin Czarnik 🇺🇸
Stürmer (33), Lausanne
Der Amerikaner hat dem immensen Erwartungsdruck standgehalten. Er unterschrieb noch im SCB-Dress bereits im November bis 2027 bei Lausanne und wurde trotzdem Liga-Topskorer. Die Frage war: Kann er sich auch in Lausanne durchsetzen und seine grandiose erste Europa-Saison bestätigen? Wir wissen bereits die Antwort: Ja, er kann, und wenn ihm die Hockey-Götter gnädig sind, kann er erneut 50 Skorerpunkte abliefern. König in Bern, König in Lausanne. Das freundliche, flinke, schlaue und mutige Kufentier mit den feinen Händen ist der perfekte Stürmer für unser Lauf-, Tempo- und Spektakelhockey: Austin Czarnik mag Rumpelhockey zwar nicht, fürchtet es aber auch nicht. Er umkurvt seine Gegenspieler lieber oder läuft ihnen davon.
35 Antoine Keller 🇫🇷🇨🇭
Torhüter (21), Ajoie
Teams machen Torhüter. Aber manchmal machen Goalies auch eine Mannschaft. Antoine Keller bricht sein Nordamerika-Abenteuer bereits nach vier Partien ab und am 15. November 2025 feiert er seinen Einstand bei Ajoie gleich mit einem 2:0 gegen Servette. Mit dem französischen Nationaltorhüter besiegt Ajoie kurz darauf auswärts die ZSC Lions und Kloten 3:2 und bodigt Zug nach Penaltys 3:2. Der 21-jährige französisch-schweizerische Doppelbürger hat dem Schlusslicht als «Reto Berra des armen Mannes» einen starken Zwischenspurt beschert. Er ist dank seiner NHL-Postur ein guter Blocker und erstaunlich beweglich, sein immenses Potenzial hat er nach wie vor nicht ausgereizt. Mit einer Vertragsverlängerung bis 2027 hat Ajoie sein Torhüterproblem gelöst.
34 Dario Rohrbach 🇨🇭
Stürmer (27), Langnau
Er hat eine der schwierigsten Herausforderungen gemeistert, die es für einen Spieler gibt: Mit 27 Jahren die Bestätigung der bisher besten und einzigen überdurchschnittlichen Saison. Er war Langnaus bester Skorer in einem Team, das fünf ausländische Stürmer beschäftigte – mehr geht nicht. Als Krönung kam er zu den ersten Länderspielen plus zur Berufung ins WM-Team (ohne Einsatz bei der WM). Und das drei Jahre nachdem er seine Karriere erst durch den Wechsel von Ajoie nach Langnau retten konnte.
Eine Wiederholung dieser wundersamen Saison? Wohl kaum. Zumal sein umtriebiger Agent Sven Helfenstein den perfekten Zeitpunkt für einen Transfer genutzt hatte: Dario Rohrbach hat im Sommer 2025 beim SCB einen Vierjahresvertrag im Wert von etwas mehr als 1,5 Millionen unterzeichnet. Kritiker monierten, der künftige «SCB-Millionär» werde sich in der letzten Saison in Langnau kaum mehr anstrengen. Und nun stürmt er erneut zeitweise im Ehrengewand des Topskorers und ist auf bestem Weg, die letztjährige Rekordsaison (12 Tore/32 Punkte) zu übertreffen. Wahrlich, ein Musterprofi.
33 Rodwin Dionicio 🇨🇭🇺🇸
Verteidiger (21), Biel
Was ist die Wahrheit über Rodwin Dionicio? Endlich haben wir diese Saison eine Antwort auf diese Frage bekommen. Pessimisten waren nach der vorzeitigen Rückkehr aus Nordamerika skeptisch: Eine viel zu riskante Spielweise, schwierig zu führen, ein taktischer Hallodri, der zu viel Unruhe bringt. Optimisten hingegen freuten sich auf einen gleichwertigen Ersatz für Yannick Rathgeb (seit 2024 bei Gottéron). Und nun ist Rodwin Dionicio auf bestem Weg, der neue Rathgeb zu werden. Er sucht die kreative, unkonventionelle Lösung auch dann, wenn einfaches Spiel erforderlich wäre. Er bringt die Leidenschaft, den unbedingten Siegeswillen und auch das Selbstvertrauen grosser, charismatischer Spieler aufs Eis, gehört bereits zu den produktivsten Schweizer Verteidigern der Liga und es ist sogar möglich, dass er Ende Saison 30 Punkte erreicht. Kommt dazu: Die Sorgen um defensive Verantwortungslosigkeit waren übertrieben: Der amerikanisch-schweizerische Doppelbürger weist solide Plus/Minus-Werte auf.
32 Lorenzo Canonica 🇨🇭
Stürmer (22), Lugano
Luganos grösstes Talent ist erst 22 und kann seine Produktion verdoppeln und mehr als 20 Punkte produzieren. Seine Fortschritte sind diese Saison mit zwei Operetten-Länderspielen honoriert worden. Im dritten Jahr nach seiner Rückkehr aus Nordamerika ist Luganos Musterjunior definitiv in der National League angekommen. Nach seiner Rückkehr aus Nordamerika blieb es in der National League 2023/24 verletzungsbedingt vorerst bei einem einzigen Assist in 24 Spielen. Aber der Glaube an sein Talent blieb unerschütterlich. Lugano erntet nun die Dividende für die Einsicht, dass es sich lohnt, mit einem jungen Spieler Geduld zu haben.
31 Tyler Moy 🇨🇭🇺🇸
Stürmer (30), Rapperswil
Seine Rekordsaison (2022/23) mit 51 Punkten wird er nicht wiederholen. Was seine Bedeutung für Spiel und Chemie der Lakers nicht schmälert. Er gehört zur Kerngruppe, die das Team trägt. Während fünf Jahren hat er sich in Operetten-Länderspielen so gut bewährt, sich so beharrlich ins Spielsystem eingearbeitet und verbessert, dass er 2025 einer der Leitwölfe im WM-Silberteam werden konnte. Das beste Kapitel in der neueren Geschichte der Lakers hat er neben dem Eis geschrieben: Der amerikanisch-schweizerische Doppelbürger hat alle Offerten der Kassen-Titanen ausgeschlagen und für vier Jahre bei den Lakers verlängert. Geld und die Aussichten auf meisterlichen Ruhm sind nicht alles. Das ist wahre, gelebte Hockey-Romantik.
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